.......vielleicht kennen Sie die Geschichte von den zwei Schwestern?





 

Hand in Hand

Ihre Pastorin,

Evelyn Schneider

Die Jüngere war verheiratet und hatte Kinder, die Ältere unverheiratet und allein.
Sie arbeiteten zusammen, pflügten ihre Felder zusammen, streuten Saatgut und zur
Erntezeit brachten sie das Getreide ein und teilten die Garben in zwei gleich große Stöße,
für jeden einen Stoß Garben.

In der Nacht aber konnten beide nicht schlafen, weil sie es ungerecht fanden, dass die Ernte zu zwei gleichen
Teilen aufgeteilt wurde. Die Ältere konnte nicht schlafen, weil sie immer daran dachte, dass ihre Schwester doch
viel mehr Menschen zu versorgen hatte, als sie selbst. Sie stand auf und nahm von ihren Garben und schichtete
sie heimlich zu den Garben ihrer Schwester. Dann legte er sich wieder hin und schlief ein.

Die Jüngere konnte keine Ruhe finden, weil sie sich sorgte: «Meine Schwester ist allein und hat keine Kinder.
Wer wird in ihren alten Tagen für sie sorgen? Und sie stand auf, nahm von ihren Garben und trug sie
heimlich hinüber zu dem Stoß der Älteren.

Natürlich war ihre Verwunderung am nächsten Tag groß, als sie sahen, dass beide Erntestöße gleich
groß waren, aber sie ließen sich nichts anmerken. In der zweiten Nacht, erhoben sie sich wieder
heimlich, um einen Teil ihrer Garben auf den Stoß der anderen zu legen. Auf halbem Wege trafen
sie sich, mussten herzlich darüber lachen, dass sie sich auf frischer Tat ertappt haben.

Mich fasziniert diese Geschichte, weil sie in liebevoller Weise etwas Grundlegendes über das Teilen, Aufteilen, Abgeben
beschreibt. Zuerst: auch bei ganz gerechter Aufteilung geht es nicht gerecht zu, weil die Bedingungen immer unterschiedlich bleiben.
Eine absolute Gerechtigkeit gibt es nicht. Aber: die Liebe zum anderen kann Ungerechtigkeiten ausgleichen, z.B. durch Abgeben –
und Aushalten, z. B. im Ertragen, dass ich weniger habe als der andere.

Und zuletzt: ich muss nicht „alles nehmen, was ich kriegen kann“, wenn ich das Vertrauen habe, dass genug da ist und ich
weiß, dass jemand mich versorgt, wenn es nicht reicht. Was die Schwestern hier eigentlich teilen, ist nicht ihre Ernte.

Es ist das Vertrauen, genug zu haben und vom anderen geliebt zu werden.