Damals

„Die Kirche müsste mal wieder so werden, wie sie eigentlich gedacht war!“,
............................................................sagte der dynamische Geschäftsmann zu mir.

Ich saß in seinem auf Hochglanz polierten Cabriolet mit Ledersitzen und war froh, dass er mich mitgenommen hatte. Denn damals als Student war ich knapp bei Kasse und musste irgendwie per Anhalter von Göttingen nach Heidelberg kommen. Wenn ich damals irgend jemanden erzählte, dass ich Theologie studierte und Pastor werden wollte, dann viel fast jedem etwas zu dem  Thema „Kirche“ ein.

Einige Leute erzählten mir von ihren Sorgen. Andere konfrontierten mich mit Miss-ständen in der mittelalterlichen Kirche. Manche waren in der Kirche engagiert und andere wurden richtig aggressiv. Obwohl der Geschäftsmann, mit dem ich damals mitgefahren war, schon lange wegen der Kirchensteuer aus der Kirche ausgetreten war, hatte er doch eine Idee davon, wie Kirche eigentlich sein müsste:

 „Die Christen sollten wieder in Urgemeinden leben,
ohne Besitz und immer für andere da sein.“

Das war mir sympathisch.

Auch ich war manches Mal von anderen Christen enttäuscht. Eine Kirche, in der nur das Wesentliche zählt, die wollte ich auch. Der Fahrer des Cabriolets meinte, dass die Kirche auch viel authentischer wäre, wenn Christen wieder besitzlos um-herziehen würden, anstatt sich eine Institution mit Kirchensteuer zu schaffen.

Zugegeben, Jesus hätte auch an mein Leben bestimmt einige kritische Anfragen. Aber was hätte er zu einem Geschäftsmann gesagt, der nicht nur in Saus und Braus lebte, sondern der Meinung war, dass mir und der Kirche die Armut viel besser stehen würde? Dieser Geschäftsmann würde wohl nicht zum Gottesdienst kommen, wenn sich verelendete Christen in einer Höhle
zum Gottesdienst treffen.

Daher meine ich, dass es keinen Sinn macht,
irgendein Ideal zu leben, nur um für andere „echter“ zu wirken. Natürlich müssen wir Christen uns als Kirche immer wieder fragen, was wirklich nötig ist zum Leben. Aber wenn wir in der heutigen Gesellschaft deutlich machen wollen, was uns wichtig ist,  dann auch mit den Möglichkeiten unserer Zeit.

Eine Predigt muss auch in unsere Zeit passen, damit sie verständlich ist. Und dazu brauchen wir eine gute Ausbildung für kirchliche Mitarbeiter. So etwas kostet Geld. Auch eine Orgel kostet Geld, wenn die Musik ankommen soll. Sogar für die Gebäude müssen wir etwas investieren. Das „Drumherum“ gehört zwar nicht zum Wesentlichen, was uns als christliche Gemeinschaft ausmacht. Wichtig ist, dass wir unsere Nächsten lieben wie uns selbst und Gott ehren.

Aber warum sollte so etwas möglichst billig zu haben sein?
Wenn uns unsere Kirche wichtig ist, dann darf sie auch etwas kosten und
Spaß machen! Machen Sie mit?

                                                                                                                                                           Ihr Pastor