Bei Kilmuire auf Sky

Als mir Mitte Januar (mein Weihnachtsbaum stand noch in der Stube) schon der erste Schokohase beim Einkauf über den Weg hoppelte und die ersten Ostereier in den Auslagen der Geschäfte auftauchten, dachte ich: Hoppla! War da nicht noch etwas? Was ist eigentlich mit der  Passionszeit?

Immerhin dauert sie sieben lange Wochen. Zugegeben: sie lässt sich nicht gut vermarkten. Sich einschränken, mal ganz bewusst auf etwas verzichten, das ist schädlich für den Umsatz. Gerade in der gegenwärtigen Situation kommt es doch darauf an, den Konsum anzukurbeln  sei es mit Abwrackpremien, Konjunk-turprogrammen oder Schokohasen im Januar. Da passt eine Fastenzeit nicht ins Konzept. Viele würden es vermutlich begrüssen, wenn die christlichen Kirchen in diesem Jahr mal auf die Fastenzeit verzichten würden  aus konjunkturellen Gründen.

Natürlich ist das kein ernsthafter Vorschlag. Aber einmal mehr wird deutlich, wie wenig die Anliegen der Passions- und Fastenzeit zu unserem Wirtschaftssystem und zum Lebensgefühl unserer Zeit passen. Unsere Wirtschaft braucht ständiges Wachstum, kennt nur eine Richtung  mehr. Schon Stagnation führt in die Krise. Ein Weniger, Reduzierung, Verluste gar, bringen das ganze System an den Rand des Kollaps. Ob es gelingen wird, diesen Kollaps zu verhindern, ist momentan noch offen. Mich machen die Unsummen, die das System derzeit täglich verschlingt, nur um sich selbst zu erhalten, schwindelig.

Und wenn's schiefgeht? Dann kommen schwere Zeiten auf uns zu, Zeiten in denen wir jene Fähigkeiten gut werden brauchen können, um die es in der Passionszeit geht - die Fähigkeit, verzichten zu können, Mangel und Entbehrung zu ertragen, Unangenehmes auszuhalten. Manche müssen das heute schon. Die Generation, die Krieg und Nachkriegszeit noch bewusst erlebt hat, wird sich erinnern, und damit klarkommen. Wer sein Leben lang nur Zuwachs und Verbesserung gewohnt war, wird sich hier schwertun.

Vielleicht hat uns die Passionszeit doch mehr zu sagen, als man denkt?!

Passions                zeit