Nun ist es also wieder soweit: Stuben und Straßen sind mit Lichtern geschmückt, Fenster und Vorgärten  werden von Adventskränzen, Lichterbögen und elektrischen Kerzen erleuchtet.

Ein schöner Brauch, wie ich finde. Schade nur, dass nur noch wenige die Bedeutung dieses Brauches kennen. All die Kerzen und Lichter, die uns in der Adventszeit so erfreuen, weisen auf den hin, der das Licht der Welt ist - auf Jesus Christus. Christus spricht: “Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern er wird das Licht des Lebens haben“. So heisst es im Johannes-Evangelium Kap. 8, Vers 12.

Wandeln in der Finsternis: Unsere Welt kennt viele Schattenseiten, Menschen (ja, ganze Völker), die im Dunkel wohnen, weil Hunger, Krankheit, Krieg oder Gewalt ihren Alltag bestimmen. Täglich hören und sehen wir davon. Aber berührt es uns noch? Neulich sagte jemand zu mir: Ich schaue mir nur noch ganz selten Nachrichtensendungen an. All das Elend und Unrecht und diese nicht enden wollende Gewalt - das zieht mich seelisch so runter, ich tue mir das nicht mehr an. Ich weiß ja, dass es das alles gibt, aber ich muss doch nicht ständig daran erinnert werden.

Es ist wohl menschlich, dass wir das, was uns zu sehr bedrängt, gerne verdrängen. Lasst uns lieber fröhlich sein: O du fröhliche … freue dich,  o Christenheit! Und so stürzen wir uns in den Weihnachtsrummel, mit Glühweinstand und Bratwurstbude, mit Konsumorgie und Karussell. Bloß nicht zuviel nachdenken, bloß nicht zur Besinnung kommen.
Längst ist vergessen, dass der Advent einmal eine Buß- und Vorbereitungszeit war. Eine Zeit der inneren Einkehr, die uns die Augen öffnen soll für das Dunkel in unserer Welt und in unserem Leben. Das mag unangenehm sein. Aber es geschieht ja nicht in selbstquälerischer Absicht, sondern es hilft uns, wahrzunehmen, was wir sonst übersehen würden: Das Volk, das da im Finstern wandelt, es sieht ein großes Licht - das Licht der Welt.

Gewiss, wir können uns auch weiter mit dem Aneinanderreihen von Highlights über unsere Finsternis hinwegtäuschen, können unsere adventlichen Straßen in Lichtermeere verwandeln, aber das vertreibt die Finsternis nur scheinbar. Unseres Herzens Tür bleibt geschlossen, so dass kein König der Ehren in unsere Dunkelheit einziehe.
Vielleicht wäre es aber einen Versuch wert, uns unsere dunklen Punkte einmal einzugestehen und die Finsternis einmal auszuhalten.
Es könnte nämlich sein, dass uns dann plötzlich ein Licht aufgeht, über das, was da im Stall zu Bethlehem für uns geschehen ist:

So dunkel es in dieser Welt auch sein (oder noch werden) mag, es gibt Hoffnung für diese Welt!
So finster es in unserem Herzen auch sein mag, es gibt ein Licht, dass stärker ist als alle Finsternis,
          das Licht der Welt.

Diese Hoffnung können wir seit dem Stall von Bethlehem haben. Sie gibt uns die Kraft, die dunklen Seiten unserer Existenz nicht zu verdrängen, sondern uns ihnen zu stellen, um an ihnen zu arbeiten.
Die Hoffnung auf Jesus Christus - das Licht der Welt - ist der wahre Grund, wenn wir zu Weihnachten singen:
          Freue dich, o Christenheit!

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und
     Weihnachtszeit!

Lichter

 Und das Licht scheint in die Finsternis (Joh. 1)