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Orgelspiel als Motivator für den Tag
Victoria Buck, die Kantorin der Peter- und Paul-Gemeinde

Elze. Victoria Buck hat nicht den leisesten Zweifel: „Musik ist eine Sprache, die jeder Mensch beherrscht.“ Allerdings sprüht nicht jeder so vor Begeisterung, wenn es um Musik geht. Für Victoria Buck ist sie ein Lebenselixir – diesen Eindruck gewinnt man jedenfalls schnell, wenn sie von ihrem Weg erzählt, der sie nun nach Elze geführt hat. Seit Mitte Februar ist sie die neue Kantorin in der evangelischen Peter- und Paul-Gemeinde.

Damit endet eine mehr als halbjährige Vakanz, die durch den Weggang von Johannes Pflüger im August 2014 entstanden war. Der Chor wurde in der Zwischenzeit von der Schülerin Leonie Kruppa geleitet. „Da waren wir wirklich in guten Händen“, lobt Superintendent und Chorsänger Christian Castel. Die Gottesdienste wurden durch Organistinnen und Organisten aus der Region begleitet, nur war nicht immer eine Vertretung zu finden. „Zwischendurch mussten wir ganz schön erfinderisch sein“, berichtet Pastorin Evelyn Schneider. Sowohl sie selbst als auch Christian Castel griffen schon mal zur Gitarre, um die Gemeinde beim Singen zu unterstützen. Auch Orgelklänge aus dem CD-Player kamen zum Einsatz.

Die „Neue“ kennt Evelyn Schneider gut, denn Victoria Buck war Organistin ihrer vorigen Pfarrgemeinde in Mulsum bei Stade. „Da war ich schon von ihrer Versiertheit und ihrem sprudelnden estnischen Charme angetan“, berichtet die Pastorin.

Für Victoria Buck aus der estnischen Hauptstadt Tallin ist die Musik seit Kindesbeinen nicht aus dem Leben wegzudenken. Mit acht Jahren bekam sie von ihrem Vater ein Klavier geschenkt – in Tallin damals etwas ganz Besonderes, für das sie all ihre Freundinnen beneideten. „Ab der fünften Klasse in der Musikschule fing es an, richtig Spaß zu machen, weil ich angefangen habe, Konzerte zu spielen“, sagt sie. Gemeinsam mit ihrer Klavierlehrerin sei sie in den großen Hallen aufgetreten: „Das ist wie eine Explosion.“

Nach der Schule hatte sie jeden Tag Klavierunterricht und bereitete sich auf eine professionelle Laufbahn vor. Mit 22 Jahren erwarb sie in Tallin das Diplom zur Konzertpianistin. Aus familiären Gründen – inzwischen hatte sie geheiratet und zwei Kinder bekommen – zog Victoria Buck in die Ukraine um, wo sie zusätzlich Klavier und Chorleitung studierte. Anschließend unterrichtete sie fünf Jahre lang an der Hochschule für Musik und Theater in Lemberg.

Später ging sie nach Estland zurück, bevor sie Ende der 90er Jahre ein zweites Mal heiratete – und zog zu ihrem deutschen Mann nach Heseldorf bei Bremervörde. Die dortige Pastorin spornte sie an, den C-Schein als Kirchenmusikerin zu erwerben. Victoria Buck folgte dem Rat, denn: „Die Orgel war immer meine Leidenschaft.“ Das Orgelspiel sieht sie als Mittel, um den ZuhörerInnen neue Kraft zu geben: „Beim Gottesdienst muss ich die Menschen motivieren, in den neuen Tag zu gehen.“

Die Peter- und Paul-Kirche sei „ein Schatz“, findet sie, die Orgel klinge „wunderbar“ und der Flügel eröffne zusätzliche Möglichkeiten – zum Beispiel für vierhändige Klavierkonzerte, die sie gemeinsam mit ihrer Schwester geben möchte. Besonders wichtig ist ihr jedoch die Nachwuchsarbeit: Zum Einen möchte sie Kinder an das Musizieren heranführen, nach Ostern will sie einen Keyboard-Kurs anbieten. Klavier- und Orgelunterricht sollen später folgen. Außerdem ist es ihr Ziel, den Chor der Gemeinde zu verjüngen: „Sonst sterben die Kantoreien irgendwann aus.“ Wenn jemand das schaffen kann, dann Victoria Buck. Die Musikerin mit dem strahlenden Lachen sprüht nicht nur vor Charme, sondern auch vor Tatendrang.
 

Victoria Buck ist die Kantorin in der Elzer Peter- und Paul-Gemeinde.
Text und Foto: Neite

 

Buck Viktoria