100 faire Tassen Kaffee – jede Woche
Das Elzer Café zur Marktzeit“ gewinnt Fairtrade-Award der evangelischen Kirche

Elze. Christian Castel schenkt den Kaffee ein. „Natürlich ist das auch Fairtrade-Kaffee“, sagt der Superintendent. Wäre auch komisch, wenn nicht. Schließlich ist das Elzer Gemeindeprojekt „Café zur Marktzeit“ gerade zum Preisträger eines Fairtrade-Award gekürt worden. „Der faire Einkaufswagen“ heißt der Preis, den der Kirchliche Entwicklungsdienst dieses Jahr zum zweiten Mal verliehen hat. Er prämiert Kirchengemeinden, die ökologische und fair gehandelte Waren aus Entwicklungsländern einsetzen und ist mit 7.000 Euro dotiert. Die Elzer Kirchengemeinde hat Platz drei belegt und 750 Euro gewonnen. Bei einem großen Empfang der evangelischen Kirchen Norddeutschlands in Sande konnte eine vierköpfige Delegation aus Elze den Preis in Empfang nehmen.

Das „Café zur Marktzeit“ ist eine echte Elzer Institution. Seit 18 Jahren servieren die fleißigen Helferinnen und Helfer bis zu 100 Tassen fair gehandelten Kaffee, jeden Donnerstag zur Marktzeit, von 14.30 bis 17.30 Uhr. „Und es ist noch kein einziges Mal ausgefallen“, sagt Brigitte Dittmann, die von Anfang an dabei ist. Zum Kaffee gibt es Kuchen, gespendet und gebacken von emsigen Bäckerinnen und Bäckern. Das Team besteht aus 20 Freiwilligen. 20 Frauen, um genau zu sein. Ab und zu habe schon mal ein Mann ausgeholfen, sagt Brigitte Dittmann.

Die Idee zum „Café zur Marktzeit“ hatten Mütter, die sich damals um den Konfirmandenunterricht kümmerten. Nachdem ihre Kinder konfirmiert waren, wollten sie sich weiter engagieren. Heute gibt es sogar die Möglichkeit, an einem kleinen Stand fair gehandelte Produkte zu kaufen. Die werden in Nordstemmen eingekauft. Dort hat El Puente seinen Sitz, einer der ältesten Fairtrade-Vertriebe in Deutschland.

Fair bedeutet, die Produkte werden unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt. Wer faire Produkte kauft, sichert den Fortbestand kleiner bäuerlicher Betriebe. Die Bauern haben ein verlässliches Einkommen, auch wenn der Weltmarktpreis ihrer Produkte sehr niedrig ist. Dafür zahlt der Kunde zwar etwas mehr. Tut aber anderen Menschen Gutes. „Wenn ich Christ bin, stehe ich auch anderen zur Seite“, sagt Dittmann. Für Christian Castel hat der Kauf von fairen Produkten auch eine aufklärerische Komponente: „Wir müssen auf Dinge, die nicht in Ordnung sind, den Finger legen.“ Man müsse aufmerksam machen, dass kleine landwirtschaftliche Betriebe unter sinkenden Weltmarktpreisen leiden. „Wie wir konsumieren und Produkte honorieren, wirkt auf andere Länder“, so Castel.

Der Superintendent schaut gerne vorbei im Café, wenn er Zeit hat. Auch zur Preisverleihung im über 200 Kilometer entfernten Sande bei Wilhelmshaven ist er mitgefahren. Die BewerberInnen wussten vorher nicht, ob sie gewinnen würden. „Das war sehr spannend“, erinnert sich Brigitte Dittmann. Umso schöner sei es gewesen, dass die weite Fahrt nicht umsonst gewesen ist und der gläserne Fairtrade-Pokal mit nach Elze genommen werden konnte.

Die Einnahmen vom „Café zur Marktzeit“ werden gespendet. In diesem Jahr geht ein Drittel geht an das Missionswerk Hermannsburg, beisielsweise für eine Kampagne in Äthiopien, die aufklärt über Genitalverstümmelungen bei Frauen; ein weiteres Drittel an den Hospizverein „Geborgen bis zuletzt“; das letzte Drittel verbleibt in der Kirchengemeinde.

Mit dem Preisgeld des Fairtrade-Awards plant das Café-Team eine Vitrine anzuschaffen, in der die fairen Produkte für alle Besucher des Peter- und Paul-Gemeindehauses sichtbar sind. Superintendent Castel: „Das Projekt steht uns als Gemeinde sehr gut zu Gesicht. Es kommt nach allen Seiten etwas Gutes dabei heraus. Etwas Besseres kann man sich gar nicht wünschen.“    Christoph Möller

 

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Brigitte Dittmann, Superintendent Christian Castel, Tula Schumann und Kerstine Westphal nahmen in Sande den Fairtrade-Award entgegen.
 

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